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Das Buch zeigt, wie sich im Künstler Helmuth Rilling Musikalität, Ausstrahlung und fantasievolle Organisationsgabe in einmaliger Weise vereinen.
(Heilbronner Stimme) -
Von: "Christian Döring" Aus: "jesus.de"
Helmuth Rilling ist ein Ausnahmedirigent. Zum einen dirigierte er immer und alles auswendig. Es wäre ihm ein Graus gewesen, seinen Musikern beim Musizieren nicht in die Augen sehen zu können. "Mein Vater Helmuth Rilling" ist aber auch eine Biographie, die neue Facetten des Menschen Helmuth Rilling zeigt. Anlässlich von dessen 75. Geburtstages stellt seine Tochter nun den Dirigenten einem breiten Publikum vor, ergänzt von Auszügen aus den Erinnerungen des Vaters.
Wie das Leben so spielt, waren es auch bei Rilling Zufälle, die großen Einfluss auf seine weitere Karriere hatten. So lernte er beispielsweise 1955 den berühmten Konzertmeister Fernando Germani kennen. Der nahm ihn mit nach Siena/Italien und gab ihm ein Stipendium. Rilling erlernte das Orgelspiel auf höchstem Niveau. Zwei Jahre später war es wiederum Germani, der Rilling mit Hilfe eines Stipendiums ans Conservatorio St. Cecilia nach Rom holte.
Dies waren sehr wichtige Jahre für den Dirigenten. Die Autorin des Buches beschreibt in 62 Kapiteln den aufregenden Lebensweg ihres gottesfürchtigen Vaters. 1957 wird er Kantor an der Gedächtnis – und Waldkirchengemeinde in Stuttgart, spielt aber auch schon während dieser Zeit Auslandskonzerte in England, Mexiko und Japan.
Große Häuser wie die Mailänder Scala werden seine Arbeitsstätten. Heikel wurde 1977 sein Konzert in Israel: Die deutsche Sprache mochte man zu jener Zeit nicht in Israel hören. Freunde hatten ihn gewarnt, Rilling war nervös. Zum ersten Mal kam ein deutsches Ensemble nach Israel. Zusammen mit seiner Gächinger Kantorei und dem Israel Philharmonic Orchestra wollte Rilling musizieren, zum Beispiel „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten“. Im Orchester saßen Musiker, die einst in Deutschland gelebt hatten und vor den Nazis geflüchtet waren. Die Proben waren sehr angespannt.
Noch nervöser wurde Helmuth Rilling, als er wenige Stunden vor dem ersten Konzert erfuhr, dass sich Golda Meir, die israelische Staatspräsidentin, zum Konzert angesagt hatte. Da kam er auf eine Idee. Als erstes Stück des Abends, sollte das Ochester die israelische Nationalhymne spielen. Rilling ließ seinen Chor die Hymne auf Hebräisch mitsingen. Noch während des Konzertabends wusste der erleichterte Dirigent: das Eis war gebrochen. Stehende Ovationen bestätigten seinen Eindruck.
Dieses Beispiel umschreibt sehr deutlich den Stellenwert, den die Musik bei Rilling hat. Nicht um ihrer selbst Willen soll sie erklingen. Mit Hilfe der Musik sollen Menschen zusammengebracht werden, sollen sie aufgerüttelt und zum Nachdenken animiert werden. All das hat Rilling oft geschafft.
Sara Maria Rilling’s Buch zeigt ihren Vater, den berühmten Dirigenten, wie sie, und vielleicht nur sie ihn kennt. Das macht "Mein Vater Helmuth Rilling" zu einer interessanten, sehr emotionalen Lektüre.
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