Roter Herbst in Chortitza (Buch - Gebunden)

Nach einer wahren Geschichte

Roter Herbst in Chortitza (Buch - Gebunden)

Nach einer wahren Geschichte

4.5 Sterne

Eine russlanddeutsche Familiensaga im Jahr 1919: Das Zarenreich versinkt im Bürgerkrieg. Auch das kleine ukrainische Dorf, in dem die Freunde Willi und Maxim leben, bleibt nicht verschont. Doch die Freundschaft steht vor einer Zerreißprobe. Denn während Willis Familie ums Überleben kämpft, schlägt sich Maxim auf die Seite des Regimes …

  • Artikel-Nr.: 190988000
  • Verlag: Brunnen Verlag GmbH
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Artikelinformationen

Artikelbeschreibung

1919. Ein Bürgerkrieg fegt mit aller Gewalt über das zerfallene Zarenreich. Gefangen zwischen den Fronten, finden die beiden Freunde Willi und Maxim ein von Soldaten zurückgelassenes Maschinengewehr. Für Maxim ein Geschenk des Himmels, für Willi die größte Herauforderung seines Glaubens, denn als Sohn mennonitischer Siedler hat er gelernt, jede Form von Gewalt abzulehnen. Eine Zerreißprobe für die Freundschaft der beiden Jungs.
Während Willis Familie in der aufkommenden Sowjetdiktatur ums nackte Überleben und um ihren Glauben kämpft, schlägt sich Maxim ausgerechnet auf die Seite des Regimes.
Beide wissen nicht, ob sich ihre Wege je noch einmal kreuzen werden. Zwei Lebenswege inmitten der sowjetischen Diktatur, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Tim Tichatzki blickt in eines der dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte, und erzählt zugleich ein Stück eigener Familiengeschichte. Schonungslos, packend und herzergreifend zu lesen.

 

Zusatzinformationen
  • Format: Buch - Gebunden
  • ISBN: 978-3-7655-0988-9
  • ISBN 10: 3765509884
  • Auflage: 1. Auflage, 15.02.2018
  • Seitenzahl: 464 S.
  • Maße: 13.2 x 20.5 x 3.7 cm
  • Gewicht: 664g

Extras

Leseprobe

Bewertungen

  • 4/5 Sterne

    Die Grausamkeit des Kriegs

    von
    Willi wächst in der Ukraine auf, in dem idyllischen Ort Osterwick. Vor langer Zeit fanden die mennonitischen Bewohner des Orts hier Zuflucht, und ihr tiefer Glaube prägt nun das Zusammenleben.

    Der Ukrainer Maxim und sein Vater finden bei der mennonitischen Familie Berger Zuflucht. Ihre Familie wurde von Tschekisten, sowjetische Geheimpolizisten, auseinandergerissen und die anderen Familienmitglieder wurden verschleppt.

    Die fast gleichaltrigen Jungen, Willi und Maxim, werden Freunde. Miteinander erleben sie wie die Idylle des Dorfs im Bürgerkrieg immer mehr zerbricht. Gewalt und Hunger sind an der Tagesordnung. Als Maxims Vater die Mutter von Willi verteidigt, kommt er ums Leben. Daraufhin verlässt der noch junge Maxim das Dorf.

    Beide Jungen erleben die folgenden, bewegten Jahre der Sowjetunion ganz unterschiedlich. Willi bleibt zunächst im Dorf. Er heiratet und gründet eine Familie. Aber es gibt nur kurze Zeiten des Friedens. Nach dem Bürgerkrieg herrscht der Hunger. Die Bauern werden mit List und Tücke enteignet, die Kirche außer Betrieb gesetzt.

    Dann bricht der zweite Weltkrieg herein, und die deutschstämmigen Mennoniten stehen zwischen den Fronten. Zu ihren Überzeugungen gehört Gewaltlosigkeit, aber angesichts ihrer misslichen Lage, fragen sie sich immer wieder ob sie sich zumindest wehren dürfen.

    Zuletzt findet Willi mit seiner Familie in Thüringen Zuflucht, aber im Zuge der Repatriierung werden sie nach Sibirien verschleppt, wo sie viele Jahre trotz starker Entbehrungen und verzweifeltem Hunger arbeiten müssen.

    Maxim macht im Sowjetregime Karriere. Bewegte ihn anfangs der Wunsch in seiner Position für Gerechtigkeit einzustehen, muss er mehr und mehr von seinen Träumen abrücken, denn ihm wird klar, entweder gehorcht er, oder er verliert sein Leben. Es dauert nicht lange, und er ist nicht mehr als ein Werkzeug des Staats.

    Anhand von diesen beiden Lebensläufen erfährt der Leser in dieser spannenden Lektüre viel aus der grausamen Geschichte der Sowjetunion. Willi und seine Familie wachsen dem Leser ans Herz, aber beim Lesen kann man auch nachvollziehen warum Maxim seinen Lebensweg wählt. Die Grausamkeit der Staatspolizei und die schrecklichen Folgen des Hungers werden vor Augen gemalt. Bei Willi und den anderen Mennoniten taucht immer wieder die Frage auf, wo Gott in diesem schrecklichen Geschehen bleibt. Bis zum Schluss hält Willis Familie am Glauben fest, aber in der Geschichte überwiegt die Hoffnungslosigkeit.

    Ein spannendes Buch, das auf eine wahre Lebensgeschichte beruht. Schade, dass die Hoffnungslosigkeit überwiegt. Aber es werden auch schreckliche Jahre in der Geschichte der Sowjetunion beschrieben.
  • 5/5 Sterne

    Roter Herbst in Chortitza

    von
    Tim Tichatzki erzählt in seinem beeindruckenden Roman die Geschichte des russischen Reiches von 1919 – 1947, jene Zeit, in der durch den Bürgerkrieg und den großen Vaterländischen Krieg das Land von Gewalt und Terror heimgesucht wird und die Bevölkerung unermesslichem Leid ausgesetzt ist. Er berichtet über eine Epoche, in der Menschen wahllos festgenommen, enteignet, gefoltert und getötet wurden und sie nur allzu oft gezwungen waren, furchtbare Entscheidungen zu treffen. Die Beschreibungen der Gewalttaten und des Elends der Menschen im kriegsgebeutelten Land machen dieses Buch zu einer sehr harten, aber überaus notwendigen Lektüre. Die Geschichte der Familie Bergen, Tim Tichatzkis Vorfahren, ist beispielhaft für unzählige Familien, die zutiefst traumatische Erlebnisse, schmerzliche Verluste und den Tod naher Angehöriger verkraften musste. „Roter Herbst in Chortitza“ ist eine Geschichte, die als ein in Romanform verfasster Tatsachenbericht dafür Sorge tragen soll, dass diese Ereignisse niemals in Vergessenheit geraten.

    Gleich zu Beginn erzählt der Autor vom kleinen Willi Bergen, der mit seiner Familie in der Ukraine lebt und im Alter von zwölf Jahren beim Spielen mit seinem Freund Maxim Orlow ein Maschinengewehr entdeckt. Dieser Fund sollte der Anlass für ein Zerwürfnis werden, das die beiden Freunde trennt und ihre Lebenswege in völlig konträre Richtungen lenkt. Die russische Bevölkerung leidet an den Folgen des Bürgerkriegs zwischen den Bolschewiken und den Anhängern des Zaren. In seinen Erzählungen richtet Tim Tichatzki sein Augenmerk stets auf seine beiden Protagonisten Willi und Maxim, die mit ihren Eltern und Geschwistern in der frommen Mennoniten Gemeinde in Osterwick aufwachsen. Heinrich und Maria Bergen und die Gemeinschaft der Mennoniten bleiben unter sich, konzentrieren sich auf ihre Arbeit und behielten ihre Sitten, ihre Sprache und ihren Glauben bei. Ihren Kindern vermittelten sie bereits sehr früh christliche Werte, Disziplin und Respekt vor der Gemeinschaft. Als klare Gegner von Gewalt lehnen sie den Kriegsdienst vehement ab. Auf anschauliche Art und Weise schildert der Autor das friedliche Leben der Mennoniten und den Terror, der nach und nach Einzug in Osterwick hält. Die gesamtrussischen Ereignisse vor Augen bleiben als Mittelpunkt dieser gewaltigen Erzählung dennoch stets die Familie Bergen und ihre mennonitische Gemeinschaft. Tim Tichatzki verwebt sowohl historische Hintergründe und politische Entscheidungen, als auch die Auswirkungen dieser „menschenfressenden Maschinerie“ mit der Geschichte seiner Vorfahren. Der Autor verfolgt den Weg des Maxim Orlow vom lausbübischen und charmanten Bengel zum wuterfüllten und grausamen Tschekisten und Handlanger von Stalins Henker Blochnin, bis hin zu seiner Deportation nach Sibirien. Er erzählt vom Überlebenskampf des Willi Bergen in der Mennoniten Gemeinde Osterwick, seiner Familiengründung und den Drangsalen, denen die gläubigen Deutschen ohne Unterlass ausgesetzt waren. Er führt seine Leser durch die leiderfüllten Kriegsjahre, bis die Wege von Willi und Maxim sich in Sibirien letztendlich wieder kreuzen.

    Die Charakterzeichnung der handelnden Figuren ist höchst authentisch. Der Autor widmet sowohl seinen Protagonisten, als auch sämtlichen Nebenfiguren, allergrößte Aufmerksamkeit und lässt sie vor den Augen seiner Leser lebendig erscheinen. Ihre Emotionen, Handlungsmotive und Gedanken umfangen den Leser und beziehen ihn tief in die Handlung ein. Durch diese erstklassige Umsetzung gewinnen die dramatischen Ereignisse während des Krieges noch zusätzlich an Schärfe, und an manchen Stellen war das Grauen dermaßen groß, dass ich das Buch kurzfristig zur Seite legen musste. Am Beispiel des Maxim Orlow wird drastisch dokumentiert, wie rasch man in der menschenverachtenden Diktatur des Kommunismus durch eine Fehlentscheidung die falsche Richtung einnimmt und dabei zerrieben wird. Überzogener Personenkult, eine menschenverachtende Politik, Not und Elend der Bevölkerung, der Hungertod und die grausame und brutale Ermordung von Millionen Menschen sprechen eine deutliche Sprache.

    Dieser Roman rückt jene grauenhafte Ereignisse der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts wieder stark in den Vordergrund und wird mich vermutlich noch eine ganze Weile beschäftigen und nachwirken. Für Greta Bergen, die dieses Grauen überlebt hat, „waren die Enkel und Urenkel das größte Glück. Sie freute sich, dass diese ohne Angst und ohne Hunger aufwachsen durften und betete täglich darum, dass ihnen die leidvollen Erfahrungen ihrer eigenen Kindheit erspart bleiben mögen.“ Ich möchte diesen Wunsch noch ausweiten und bin der Meinung, dass unsere Generation sowie alle Generationen nach uns danach trachten – und dafür beten – sollten, von solch unbeschreiblich grauenhaften Erfahrungen verschont zu werden.

    „Roter Herbst in Chortitza“ ist ein gewaltiges Buch, voller Gräueltaten und einer sehr realistisch dargebrachten Dokumentation, die zeigt, wie schnell Menschlichkeit und Moral verlorengehen und was der Krieg aus Menschen macht. Ich wünsche dem Autor eine weite Verbreitung dieses Meisterwerkes und ein ganz bewusstes Innehalten und Gedenken der unzähligen Opfer des Krieges und der Gewaltherrschaft bei seinen Lesern! Die Bedeutung der häufig vorgebrachten Mahnung vor der Wiederholung der Fehler der Vergangenheit gewann durch diese Lektüre für mich eine völlig neue, intensive Dimension. Danke für dieses überwältigende Buch!
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