Warum wir mündig glauben dürfen (Buch - Gebunden)

Wege zu einem widerstandsfähigen Glaubensleben

4.5 Sterne

Expertinnen und Experten denken in kurzen Beiträgen über die vier Themenbereiche "Zweifel & Identität" , "Offenheit & Vielfalt" , "Macht & Missbrauch" sowie "Mündigen Glauben stärken und fördern" nach und damit auch darüber, wie man zu einer Kultur des verantwortlichen Glaubens findet.

  • Artikel-Nr.: 226664000
  • Verlag: SCM R.Brockhaus
Auch erhältlich als:
Buch - Gebunden (diesen Artikel sehen Sie sich gerade an)
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Artikelinformationen

Artikelbeschreibung

Es war ein Tabu-Thema, das sie aufgriffen. Tobias Faix, Martin Hofmann und Tobias Künkler sprachen 2013 mit Menschen, die sich im jungen Erwachsenenalter von ihrem christlichen Glauben abgewandt hatten. Die Reaktionen auf das Buch „Warum ich nicht mehr glaube“, in denen sie diese Geschichten darstellen, waren überwältigend: Menschen, die selber aufgehört hatten zu glauben, fühlten sich endlich gehört und nicht nur verurteilt. Andere, die Verwandte oder Freunde hatten, die nicht mehr glaubten, konnten nun offen über das Thema sprechen.

Gleichzeitig drängten sich mit dem Buch aber auch viele Fragen auf. „[Wir] wollten auch den drängenden Fragen, die sich daraus für Kirchen, Gemeinden, in der Seelsorge und im täglichen Miteinander für Christen ergeben, Platz einräumen.“ („Warum wir mündig glauben dürfen“, S. 13)

Es wurde also Zeit für ein neues Buch, das sich damit beschäftigt, wie man mit Zweifeln umgehen kann, wie die Gratwanderung zwischen Wissenschaft und Glaube zu bewältigen ist, wie eine Gemeinde ethische und moralische Spannungen handhaben kann, und überhaupt, wie Menschen zu einem reifen, festen Glauben gelangen.

Mit Beiträgen vieler Explerten gibt "Warum wir mündig glauben dürfen" Antworten auf Fragen wie zum Beispiel:
Wie können wir mit eigenen Zweifeln und Andersdenkenden umgehen?
Wie glauben wir in Einheit und gleichzeitiger Vielfalt?
Wie kann Glaube in Familien gelebt werden und auf was sollten wir in Gemeinden achten?
Schließlich: Was hilft uns auf dem Weg zu einem mündigen, verantwortungsvollen Glauben? Wie sieht ein solcher Glaube in einer sich wandelnden Welt überhaupt aus?

Mit Beiträgen u.a. von: Jörg Ahlbrecht, Peter Aschoff, Christina Brudereck, Thorsten Dietz, Heike Dreisbach, Alexander Garth, Martina Kessler, Andreas Malessa, Roger Mielke, Heinrich Christian Rust.

 

Zusatzinformationen
  • Format: Buch - Gebunden
  • ISBN: 978-3-417-26664-1
  • ISBN 10: 3417266645
  • Auflage: 1. Auflage, 22.09.2015
  • Seitenzahl: 288 S.
  • Maße: 14 x 21.5 x 2.2 cm
  • Gewicht: 495g
  • Altersempfehlung: von 25 bis 60 Jahre
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Extras

Leseprobe
Hochauflösendes Cover
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Bewertungen

  • 5/5 Sterne

    Glaubensleben auf dem Prüfstand

    von
    In diesem Buch möchten die Autoren der Frage nachgehen, warum Menschen, vorwiegend junge Erwachsene, ihren Glauben verlieren. In vier Teilen versuchen sie, die Hintergründe und „Systemfehler“, die dafür verantwortlich sein können, aufzudecken und den noch Glaubenden die Augen zu öffnen für eventuelle Schwachstellen in gängigen religiösen Strukturen. In verschiedenen Beiträgen beschäftigen sich Theologen, Pfarrer und andere Experten mit jeweils bestimmten Aspekten dieses großen Themengebietes.

    Das Buch behandelt aus meiner Sicht sehr aktuelle Problematiken in einer äußerst angenehmen Art und Weise. Angenehm vor allem die Herangehensweise: Ein Buch, in dem auch Zweifel ihren Platz haben. Die verschiedenen Autoren aus den unterschiedlichsten Kontexten suchen gemeinsam mit ihren Lesern Antworten auf drängende Fragen, vor denen Christen die Augen nicht verschließen sollten und die hier ziemlich gut herausgearbeitet werden. Es geht um den Umgang mit Zweifeln, welche wir wohl alle hin und wieder haben, aber auch mit Andersdenkenden. Es geht um Einheit und Vielfalt, religiösen Fundamentalismus und geistlichen Missbrauch, ganz besonders Herausforderungen, denen Gemeinden sich in diesem Sinne stellen müssen. Eine Gemeindeleitung, die ihrem Auftrag nicht nachkommt, führt schließlich zu Unglaubwürdigkeit. Im vierten und letzten Abschnitt steht der persönliche Glaube und seine Entwicklung hin zu einem mündigen Glauben im Fokus; einem Glauben, der auch mit Kritik und hartnäckigen Gedanken umzugehen gelernt hat.
    Was sich hier erst einmal anhört wie eine Aneinanderreihung sehr theoretischer Themen, ist im vorliegenden Buch sehr gut umgesetzt. Mit absoluter Ehrlichkeit werden Probleme beleuchtet, Fehler eingestanden und Verbesserungsvorschläge gemacht. Falsche Vorstellungen werden fair, aber konsequent auseinandergenommen. Viele der geschilderten Erfahrungen, die zum Glaubensabfall führen können, kenne ich selbst ziemlich gut, und ich denke dass es anderen genauso gehen wird. Dennoch fühlte ich mich in diesem Buch in gewisser Weise verstanden und habe mit Freude über einige Dinge ganz neu nachgedacht. Sich in dieser Art und Weise mit christlichen Werten und Strukturen auseinanderzusetzen finde ich sehr beruhigend, gerade wenn ich es mit anderen, eher oberflächlichen Büchern vergleiche.
    Es ist ein Buch, das den eigenen Horizont erweitern kann, wenn wir als Leser es zulassen. Dazu kommen viele Praxisbeispiele und Tipps für den Alltag. Ich denke dass dieses Buch jedem etwas geben kann, weil es wohl auch Fehler anspricht, die wir alle machen, diese Fehler aber nicht verdammt, sondern einfach aufzeigt, dass es auch anders sein kann.

    Fazit: Ein sehr interessantes Buch mit vielen Anregungen, das ich wirklich allen empfehlen kann, nicht nur Gemeindeleitungen und vielleicht noch nicht einmal nur Gläubigen.
  • 4/5 Sterne

    Ein gutes Buch für Insider

    von
    „Warum ich nicht mehr glaube“ – die Studie, deren Ergebnisse Anstöße zu diesem Nachfolgeband gaben – hatte mich sehr bewegt und ins Nachdenken gebracht. Entsprechend gespannt war ich auf die Impulse aus „Warum wir mündig glauben dürfen“.

    Die Autoren, manche bekannter als andere, kommen aus ganz unterschiedlichen Richtungen und widmen sich verschiedenen Schwerpunkten. In Teil 1 geht es um Zweifel, in Teil 2 um die Vielfalt des Glaubens, in Teil 3 um Glaube in Familie und Gemeinde und in Teil 4 um Wege, mündigen Glauben zu stärken und zu fördern. Die Facetten, die sie beleuchten, bilden dabei ein breites Spektrum ab: ein mündiges Verständnis der Bibel, der „neue“ Atheismus, geistlicher Missbrauch, religiöser Fundamentalismus, kulturelle Vielfalt, Machtfallen in der Gemeinde, Glaubenserziehung für Kinder, Ehrenamtliche in der Gemeinde, verantwortungsvolles Leiten, Sexualität und Gemeinde, geistliches Wachstum, Umgang mit negativen Medienberichten, uvm. Abgerundet wird dieses theorielastige Buch noch durch ein paar erprobte (!) Praxisideen.

    Viele der Artikel haben mich angesprochen, viele ins Nachdenken und zum Weiterdenken gebracht. Die kurzen Texte eigenen sich auch optimal, um sie in Auszügen weiterzugeben oder einem bestimmten Mitarbeiterkreis als Anregung zu präsentieren. So kann sich jeder Leser das heraussuchen, was ihn gerade anspricht oder betrifft. Die meisten Artikel setzen meiner Meinung nach allerdings sprachlich ein gewisses Bildungsniveau voraus – einem Jugendlichen kann man dieses Buch eher nicht ans Herz legen.

    Etwas enttäuscht hat mich so auch, dass sich das Buch in erster Linie an Christen richtet, die andere in ihrer Glaubenskrise unterstützen möchten oder vermeiden wollen, dass es zur Dekonversion kommt, z. B. durch zu enge Strukturen und/oder unfreie Bedingungen in ihren Glaubensgemeinschaften. Hier werden die „Insider“ angesprochen, nicht die eigentlich Betroffenen, die sich vom Glauben abgewandt haben oder kurz davor sind. Ein Beispiel: Die Tipps und Anregungen für Gemeindeleiter sind eben nur so gut, wie sie auch umgesetzt werden. Liest man sie jedoch aus der Perspektive eines Gemeindemitglieds, dessen berechtigte Kritik ungehört verhallt, können sie auch wie Hohn klingen.

    Mein Fazit: „Warum wir mündig glauben dürfen“ liefert wichtige Beiträge und Anregungen für Leiter und Mitarbeiter, wie Menschen zu einem befreiten, starken Glauben finden können, der auch durch Krisen trägt. Voraussetzung ist allerdings die Bereitschaft beim (leitenden) Leser, an seinen „blinden Flecken“ arbeiten zu wollen und sie aufdecken zu lassen.
  • 4/5 Sterne

    Ein wichtiges Thema, mit sich auseinanderzusetzen lohnt!

    von
    Nach Erscheinen von „Warum ich nicht mehr glaube“ merkten die Autoren, dass es noch „einen großen Bedarf an weiterer wissenschaftlicher Forschung auf dem Gebiet der Dekonversion (= Entkehrung)“ gibt. Sie wollten auch „den drängenden Fragen, die sich daraus für Kirchen, Gemeinden, in der Seelsorge und im täglichen Miteinander für Christen ergeben, Platz einräumen“ und „zum Nachdenken anregen, Impulse setzen, Horizonte aufreißen und Mut machen, wo nötig, neue Wege zu gehen.“ (S. 13)

    Viele Autoren aus unterschiedlichen Konfessionen und beruflichen Hintergründen haben dieses Buch mit ihren Beiträgen zum Thema bereichert. Auf diese Weise werden viele Bereiche rund um die Dekonversion und die daraus resultierenden Fragen beleuchtet: Wie können wir mündig glauben und diesen Glauben weiter geben? Wie können wir jungen Christen vermitteln, dass kritische Fragen willkommen sind? Wie können wir Gottesdienste und den Glauben ansprechender und zielgruppenorientierter gestalten? Wie können wir den Glauben unseren eigenen Kindern vermitteln? Auch die Themen „geistlicher Missbrauch“ und „Fundamentalismus“ werden behandelt.

    Das Buch ist in vier Teile untergliedert:
    Auf dem Weg mit Zweifeln und Andersdenkenden,
    Auf dem Weg der Einheit und Vielfalt,
    Auf dem Weg in Familien und Gemeinden,
    und Auf dem Weg zu einem mündigen Glauben.

    Obwohl ich mit einem Mann verheiratet bin, der Theologie studiert hat und somit mit einigen Fachwörtern vertraut bin, konnte ich dieses Buch nicht so leicht lesen. Es ist – je nach Verfasser des Beitrags – im theologischen Fachjargon geschrieben. Aber das betrifft nicht alle Beiträge. Ich fand die Ausführungen sehr interessant, besonders auch im Hinblick auf die Erziehung im christlichen Glauben und die Anregungen die man bekommt. Außerdem wie wir mit Fragen und Zweifeln umgehen oder den Gottesdienst attraktiver gestalten können. Es gibt viele gute Ideen und Tipps, die im Buch eingestreut wurden. Einige Fußnoten enthalten Quellenangaben, die neugierig machen auf weitere Bücher.

    Die Zielgruppe des Buches m.E.: Mitarbeitende in der Jugendarbeit, Pädagogen, Begleiter von Jugendlichen, Pfarrer und Pastoren, Gemeindeleiter, Eltern, evtl. auch selbst Betroffene.

    Fazit: Ich kann „Warum wir mündig glauben dürfen“ sehr empfehlen, auch wenn ich aufgrund des teilweise recht komplexen Schreibstils 4 Sterne gebe. Ein wichtiges Thema, mit dem sich auseinanderzusetzen lohnt!
  • 3/5 Sterne

    Leider sehr fachlich!

    von
    Das Buch „Warum wir mündig glauben dürfen“ von Tobias Faix, Martin Hofmann und Tobias Künkel ist das Nachfolgebuch „Warum ich nicht mehr Glaube – Wenn junge Erwachsene nicht mehr glauben“.
    „Warum wir mündig glauben dürfen“ möchte Antworten finde, wie junge Erwachsene durch unsere Hilfe wieder zum Glauben finden. Das Buch besteht aus vier Teilen. Im ersten Teil geht es um den Umgang mit Zweiflern und Andersdenkenden, im zweiten Teil geht es um Einheit und Vielfalt im Glauben, im dritten Teil geht es darum, wie Familien und Gemeinden mit dem Glauben umgehen und im vierten Teil gibt es Ratschläge, wie wir alle einen mündigen Glauben erreichen können.

    Die einzelnen Teile bestehen aus verschiedenen Beiträgen von unterschiedlichen Autoren. Jeder Teil fängt mit einer kurzen Übersicht über das jeweilige Thema und einer kurzen Zusammenfassung über die jeweiligen Beiträge an. Durch die verschiedenen Autoren muss sich der Leser immer an einen neuen Schreibstil gewöhnen. Am Ende von jedem Teil gibt es einen Praxistipp, den Gemeinden zum Teil toll umsetzen können.

    Gut finde ich, dass auf die Fehler die in Gemeinden passieren, ehrlich hingewiesen wird. Ich denke so können Gemeindeleitungen einiges dazulernen. Viele Beiträge sind sehr fachlich geschrieben und dadurch mir zu schwierig. Außerdem fehlt mir durch die vielen fachlichen Beiträge bei vielen Beiträgen die persönliche Note. Mir ist vieles zu tolerant geschrieben, z.B. finde ich schon, dass wir die Bibel wörtlich auslegen können.

    Ich würde dieses Buch nur Menschen empfehlen, die in Gemeindeleitungen oder als Leiter in Gemeinden tätig sind. Ihr könnt bestimmt einige gute Gedankenanstöße aus dem Buch mitnehmen. Für alle anderen gibt es meiner Meinung nach bessere Bücher!
  • 5/5 Sterne

    Für alle, die ihren Glauben (neu) entdecken wollen.

    von
    Nach ihrer Studie „Warum ich nicht mehr glaube“ über Entkehrung wollen die Herausgeber Tobias Faix, Martin Hofmann und Tobias Künkler in „Warum wir mündig Glauben dürfen“ nun „Wege zu einem widerstandsfähigen Glaubensleben“ gehen. Die Weg-Metapher ist gleich schon Inhalt des Buches: Mündiger Glaube bedeutet auf dem Weg sein. Oder in den Worten der Hausgeber: „Ein Mensch mit einem mündigen Glauben befindet sich in einer Entwicklung, in der er immer weniger darauf angewiesen ist, sich selbst und anderen etwas vorzumachen.“ (14)

    Auf das erste Buch haben sie zahlreiche Rückmeldungen erhalten. Menschen, die ähnliches erlebt haben, wie die beschrieben Personen. Zweifel, Fragen, Probleme in christlichen Gemeinschaften. Die Herausgeber merken: „Wir sind damit noch nicht fertig“ (11). Es geht ihnen um all jene Fragen, die die eigene Existenz als Glaubender berühren und die durch die erschütternden Berichte, Gespräche und Briefe der Betroffenen in einen Tiefen Abgrund der christlichen Gemeindewelt blicken lassen.

    Dieser Blick in den Abgrund motiviert sie dazu, ein Buch herauszugeben, das „zum Nachdenken anregen, Impulse setzen, Horizonte aufreißen und Mut machen [soll] neue Wege zu gehen.“ (13)
    Dies tun sie in 26 kurzen Aufsätzen von unterschiedlichen Autoren. Der Stil ist durchaus vielfältig: Erst ließt man eine theologische Abhandlung über ein angemessenes Verständnis der Bibel, dann die Erfahrungen einer Gemeindereferentin aus Siegen, die über die Thomasmesse berichtet. Aber: Die Unterschiedlichkeit der Texte ist bewusst gewählt und soll „schon ein erster Schritt in Richtung des Buchthemas“ (14) sein.

    In vier Abschnitten, die sich an den Leitmotiven (Moral, Intellekt, Identität und Gottesbeziehung) für Entkehrung aus dem ersten Band orientieren, wollen sie Orientierungshilfen und Wegbegleiter für Christ_innen und Gemeinden geben, um Menschen und sich selbst zu einem mündigen Glauben zu verhelfen.
    Im ersten Teil geht es darum, dass Gemeinde(-praxis) offen für eine reflektierte Theologie sein muss, damit in unserer pluralen und multioptionalen Gesellschaft Glaube als relevant und vor allem authentisch erlebt werden kann. Es wird sehr schön deutlich, dass es unverantwortlich ist, sich als Gemeinde keine Gedanken über ein reflektiertes Verständnis der Bibel zu machen und wie dies in den jeweiligen (Glaubens-)Entwicklungsstufen der Menschen vermittelt werden kann. Dass dies von den einzelnen Autor_innen wiederum sehr unterschiedlich verstanden wird, belebt den Dialog, den solche Themen brauchen. Während Arne Bachmann – meines Erachtens zurecht – den christlichen Glauben als „Feier eines Geheimnisses“ mit „Momente[n] der Unbestimmtheit, der Ungewissheit und Offenheit“ (26) versteht, betont Matthias Clausen mit Nachdruck, dass wir den Glauben mit Argumenten verteidigen können müssen, da er jede Anfrage aushalten“ (72) könne.

    Der zweite Teil ist vor allem ein Plädoyer für Vielfalt in der Gemeinde. Vielfalt bezieht sich dabei auf Meinungen, Kulturen, Positionen. Das, was in der heutigen Gesellschaft so selbstverständlich ist, nämlich, dass unterschiedliche Positionen nebeneinander stehen können, ist längst nicht in allen christlichen Gemeinden der Fall. Die Herausgeber widmen dem Thema „geistlicher Missbrauch“ einen eigenen Abschnitt, da es nicht selten zu übergriffigem Verhalten kommt, wenn eine Person innerhalb der Gemeinde eben nicht den Denk- und Verhaltensnormen der Gemeinde entspricht.
    Welche Kultur des Zusammenlebens in Gemeinden die Herausgeber heute fordern, wird durch ein Zitat des französischen Philosophen Voltaire auf den Punkt gebracht: „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst.“ (107) Vielleicht müsste man es für den Kontext des Buches zuspitzen: Ich mag verdammen, was du glaubst, aber ich werde mein Leben dafür geben, dass du es glauben darfst!

    Wer in den Bereichen Kindererziehung, Machtmiss- bzw. gebrauch, Leitungskultur und Sexualität und Gemeinde Orientierung sucht, ist im dritten Teil des Buches gut aufgehoben. Dieses Kapitel reagiert auf die Ergebnisse der Studie, wonach Menschen in christlichen Gemeinden nicht selten negative Erfahrungen bezüglich Erziehung, Missbrauch und Sexualität gemacht haben. Ein Plädoyer für eine christliche Erziehung, die aufklärt und zugleich Kinder in Freiheit reifen lässt, ist wohl unerlässlich. Gemeinde als Ort zu verstehen, in dem wir mutig über die Schöpfungsgabe der Sexualität reden können, ebenso. Um so erstaunlicher, dass diese eigentlich für einen nachdenkenden Leser selbstverständlichen Tatsachen von so vielen als Neuland entdeckt wird. Hoffen wir, dass dieses Land eingenommen wird.

    Zu guter Letzt geht es um den Glauben. Christlicher Glaube wird als Beziehungsgeschehen gedeutet und nicht als Konstrukt theologischer Lehrsätze. Auch Luthers Glaubensbegriff wird erläutert, der für einen mündigen und selbständigen Glauben in Freiheit plädiert. Außerdem zeigt Rolf Krüger auf, wie Christen sich öffentlichen Verhalten können, wenn Kritik droht.

    Alles in allem bieten die Herausgeber eine gelungen Sammlung einzelner, sehr unterschiedlicher Beiträge zu Themen rund um Gemeinde und Glaube. Zwar wollen sie kein Nachschlagewerk herausgegeben haben, jedoch wird es den Leser_innen sehr einfach gemacht, nur das zu lesen, was gerade interessiert. Ob das ein Vor- oder Nachteil des Buches ist, bleibt jedem selbst überlassen.
    Das Buch kann Orientierungshilfe bieten. Sein Ziel wird es aber erst erreichen, wenn Christ_innen und Gemeinden sich immer wieder der Herausforderungen stellen, die Themen neu für sich, zu durchdenken. Das Buch regt zum Weitergehen an.
    Vielleicht wäre hierfür eine Plattform hilfreich, auf der das öffentlich geschehen kann. Warum nicht Seminare und (virtuelle) Foren einrichten, in denen man sich über die Erfahrungen in den einzelnen Bereichen austauschen kann. Moderiert von den Herausgebern. Denn mündig werden, kann ich nur im Dialog.

    Diese Rezension wurde zuerst auf gotteslie.be veröffentlicht.
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