Mit Calm my Waves hat Evelyn Uebach unter dem Pseudony Tiana Kiel einen berührenden Faithful-New-Adult-Roman über zweite Chancen und den Weg zu einem Glauben, der trägt geschrieben. Wir haben ihr einige Fragen gestellt.
Liebe Evelyn, dein neues Buch erscheint unter dem Pseudonym Tiana Kiel. Gibt es eine Geschichte hinter dem Namen?
Ich habe lange über die Namensgebung nachgedacht. Mit dem offenen Pseudonym möchte ich meine Arbeit als Lektorin in einem christlichen Verlag und meine Arbeit als Faithful-New-Adult-Autorin ein Stück weit „auseinanderdefinieren“. Außerdem erkennt man unter meinen verschiedenen Büchern so direkt, bei welchen ein Schwerpunkt auf Glaubensthemen liegt.
Tiana mag ich als Vornamen sehr, und in seiner Bedeutung schwingt mit, dass hier eine „christliche Frau“ schreibt (das wusste ich vorher nicht, und es war letztendlich mein „Go“ dafür, dass es dieser Name wird). „Kiel“ passt zum maritimen Flair meiner Dilogie und trägt für mich neben dem Schiffskiel auch den Federkiel als Symbol für das Schreiben in sich.
Als Schauplatz hast du Cuxhaven gewählt und das Buch ist jemanden gewidmet, der dir eine besondere Nachricht an diesen Ort geschickt hat. Verrätst du uns, was dein persönlicher Bezug zu Cuxhaven?
Da meine Familie mittlerweile sehr verstreut wohnt, wechselt der Ort, an dem wir uns zu Weihnachten sehen. In dem Jahr, als es mit Calm my Waves losging, haben wir Urlaub in Cuxhaven gemacht. Schon am ersten Tag habe ich beschlossen, dass die Geschichte dort spielen wird, und den Aufenthalt gleich zur Recherche genutzt. Ich mag dieses Städtchen allein schon deshalb, weil es im Park einen kleinen kostenfreien Tiergarten mit Pinguinen gibt!
Zum Jahreswechsel hat mir mein Freund (wir waren damals erst kurz zuvor von guten Freunden zum Paar geworden) um 00:00 Uhr in einer sehr persönlichen, lieben Nachricht geschrieben, warum ich diejenige bin, die in seinem Leben lange gefehlt hat.
Im Roman erhält Laurin, einer der Protagonisten, Flaschenpostbotschaften mit rätselhaften Hinweisen. Von wem würdest du gerne eine Flaschenpost bekommen?
Ich fände es sehr schön, eine – vielleicht schon vor Langem losgeschickte – Nachricht an mich als unbekannte Finderin lesen zu dürfen. Oder Gedanken aus der Lebensrealität einer fremden Person, die sie eines Tages aufs Meer hat hinaustreiben lassen.
Der Umgang mit Glaubenszweifeln ist ein zentrales Thema im Buch. Mit welchen Zweifeln hast du schon gekämpft – und was ist dein Tipp, wie man sie überwinden kann?
Keine einfache Frage ... Ich glaube, mit meiner Protagonistin Viola habe ich bei diesem Thema gemeinsam, dass die Unergründlichkeit Gottes es auch mir nicht immer leicht macht. Ich mag es, Antworten zu kennen – über die wichtigen Dinge Bescheid zu wissen –, aber ein Leben mit Gott bedeutet nun mal immer auch ein Leben mit offenen Fragen. Vielleicht geht es im Glauben darum, an dieser Spannung des Unbeantworteten zu wachsen, sich mit anderen Menschen auf die Suche zu machen und Gott all diese Fragen trotzdem hinzuwerfen. Und wieso sie eigentlich nicht mal aufschreiben und per Flaschenpost auf die Reise schicken?
Faithful New Adult ist ein Genre, dass sich seit einiger Zeit entwickelt hat. Wir freuen uns, dass wir mit dir die erste Autorin am Start haben, die dazu einen Roman bei uns veröffentlicht. Was fasziniert dich an dem Genre?
Die „New Adults“ wurden auf dem Buchmarkt als Zielgruppe erstmals stärker in den Blick genommen, als ich selbst Anfang zwanzig war. Vorher gab es eine relativ große Kluft vom Jugendbuch zum Erwachsenenbuch. Romane über volljährige Menschen im Studium, in der Ausbildung oder am Beginn ihres Berufslebens mit ihren Plänen, Träumen und Beziehungen waren selten, und dieser Lebensabschnitt, in dem so viele neue Wege eingeschlagen und alte manchmal hinterfragt werden, war lange unterrepräsentiert. Mir gefällt, dass dieses Lebenskapitel mit all seinen Auf- und Umbrüchen – in dem gerade auch der Glaubensweg sich entscheidend weiterentwickeln kann – jetzt mehr Raum bekommt.
Du bist nicht nur Autorin, sondern arbeitest als Lektorin bei einem anderen christlichen Verlag. Macht dir dein Beruf das Schreiben leichter oder schwerer?
Das Schreiben war zuerst Teil meines Lebens, und ich würde sagen, es ist einer der Hauptgründe, warum ich heute auch Lektorin bin. Dank meiner Veröffentlichungen weiß ich, wie es ist, wenn die eigene Geschichte im Lektorat genau unter die Lupe genommen wird, und habe von meinen Lektorinnen viel gelernt. Ich glaube, dass die Erfahrungen aus erster Hand mir sehr dabei helfen, andere in diesem Prozess zu unterstützen. Natürlich gibt es Phasen, in denen es mit Haupt- und Nebenberuf einfach sehr viel an Textarbeit wird (besonders, wenn ich tagsüber lektoriere und abends das Lektorat an einem meiner Bücher durchgehe), aber insgesamt profitieren die beiden Felder voneinander, ohne sich zu stark zu überschneiden.
Auf Band 2 dürfen wir uns im nächsten Jahr freuen. Liegt dieser schon fertig „in der Schreibtischschublade“ oder steckst du noch mitten im Schreibprozess?
Oh, ich wünschte, da läge er schon (auch wenn ich mich natürlich auch aufs Schreiben freue)! 😅 Tatsächlich werde ich erst ein paar Wochen nach dem Erscheinen von Band 1 mit dem Schreiben beginnen, da zuerst noch ein ganz anderer Roman fertig werden will. Ich habe aber schon viele Ideen notiert. Das Ende habe ich bisher tatsächlich noch nicht im Kopf, aber das kann sich jederzeit ändern, denn bisher war das meist eines der ersten Dinge, die sich in meiner Vorstellung geformt haben.
Hast du zum guten Schluss noch ein paar Tipps für Nachwuchsautorinnen?
Ich finde es vor allem wichtig, dass man immer zu einem guten Teil sich selbst zuliebe schreibt und weil da der innere Drang ist, diese eine Geschichte in Form zu gießen, die niemand anderes auf diese Art erzählen könnte. Wenn nur das Veröffentlichen im Fokus steht, entsteht schnell Druck, die Freude geht verloren und ein Projekt bekommt vielleicht nicht die Zeit zum Reifen, die es eigentlich braucht.
Zum Schreibprozess selbst: Ich habe anfangs viel rund ums Entwickeln und Umsetzen von Romanen gelesen und tue es auch heute noch. Das kann ich nur empfehlen! Es ist eben auch ein Handwerk, das Übung erfordert. Dazu den Mut, Aspekte des Manuskripts – manchmal auch entscheidende – noch einmal zu verwerfen und neu zu denken. Und viel Geduld.
Vielen Dank für den Einblick und das Gespräch.
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