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Letzte Begegnungen unter dem Galgen (Buch - Gebunden)

Ein amerikanischer Militärseelsorger erlebt die Nürnberger Prozesse

5 Sterne

Letzte Begegnungen unter dem Galgen (Buch - Gebunden)

Ein amerikanischer Militärseelsorger erlebt die Nürnberger Prozesse

5 Sterne

Nürnberg 1946. Die Hauptkriegsverbrecher werden angeklagt und erwarten ihren Tod. Der Militärseelsorger Henry Gerecke führt mit vielen von ihnen Gespräche, darunter Hermann Göring, Albert Speer, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel und Rudolf Hess. Manche der Angeklagten reagieren mit Ablehnung auf die christliche Botschaft, andere gleichgültig, doch manche scheinen echte Reue zu zeigen.

  • Artikel-Nr.: 395634000
  • Verlag: SCM Hänssler
  • Originaltitel: Mission at Nuremburg
Auch erhältlich als:
Buch - Gebunden (diesen Artikel sehen Sie sich gerade an)
395.634

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  • Artikel-Nr.: 395634000
  • Verlag: SCM Hänssler
  • Originaltitel: Mission at Nuremburg
Auch erhältlich als:
Buch - Gebunden (diesen Artikel sehen Sie sich gerade an)

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Artikelinformationen

Artikelbeschreibung

"Vergebt denen, die euch Böses tun." Aber was ist, wenn das Böse millionenfacher Mord ist?
Nürnberg 1946. Die Hauptkriegsverbrecher werden angeklagt und erwarten ihren Tod. Der Militärseelsorger Henry Gerecke führt mit vielen von ihnen Gespräche, darunter Hermann Göring, Albert Speer, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel und Rudolf Hess. Manche der Angeklagten reagieren mit Ablehnung auf die christliche Botschaft, andere gleichgültig, doch manche scheinen echte Reue zu zeigen. Das bringt Gerecke in ein Dilemma: Gilt Gottes Gnade auch den Menschen, die sich schwerster Verbrechen schuldig gemacht haben? Oder verharmlost Vergebung ihre Sünden?
Keine leichte Bettlektüre, aber sehr bewegend und hoch spannend.

Tim Townsend ist amerikanischer Journalist und hat unter anderem für das Wall Street Journal, die New York Times, den Rolling Stone und andere Publikationen geschrieben. Mehrfach wurde er als "Religion Reporter of the Year" ausgezeichnet.

Mit einem Bildteil und einem Vorwort von Günther Beckstein.

 

Rezensionen
  • "Ein bewegendes Buch, das einen nicht so schnell loslässt!"
    Doris Michel-Schmidt | Zeitschrift "Lutherische Kirche"

    Dieser Band über einen Seelsorger ist eines der ungewöhnlichsten Bücher des vergangenen Jahres. Es schildert die Arbeit des Pastors Henry Gerecke, der zur seelsorgerlichen Betreuung der Kriegsverbrecher während des ersten Nürnberger Prozesses bestellt war.
    Noch in den frühen Stunden des 16. Oktober 1946 werden elf Kriegsverbrecher des NS-Regimes im Gefängnishof in Nürnberg gehängt. Inzwischen gibt es über dieses erste Kriegsverbrechertribunal eine Unmenge von Literatur; aber kaum ein Text findet einen menschlichen Zugang zu diesen Naziverbrechern. Stattdessen werden sie als Monster, als Unmenschen, als das Böse schlechthin tituliert. Und stellt sich nicht ein Unbehagen ein, wenn vom "menschlichen" Zugang zu diesen Menschen die Rede ist? Verbietet sich angesichts des millionenfachen Mordes an Frauen, Männern und Kindern, angesichts von Leichenbergen, Ruinenfeldern und zerstörten Familien jegliches seelsorgerliche Gespräch? Kann es Vergebung geben für millionenfachen Mord? Ist "Vergebung" angesichts der unvorstellbaren Gräuel der Naziherrschaft überhaupt eine adäquate Kategorie? Oder hatte die seelsorgerliche Betreuung der Kriegsverbrecher etwas anderes zum Ziel? Mit welchen Gefühlen müssen wir kämpfen, wenn die Nazigrößen zum Gebet niederknien, wenn sie den Gottesdienst im Gefängnis besuchen, das Abendmahl empfangen?
    Man stöhnt bei der Lektüre öfter auf, weil es kaum erträglich scheint, wie sich eine gesprächsbereite, freundliche Atmosphäre in der Gefängniszelle ausbreitet, sobald der Pastor den Raum betritt, wie bereitwillig Hände geschüttelt und Höflichkeiten ausgetauscht werden. Im Buch wird zeitweise von einem entspannten Klima gesprochen, von Vertrauen und Zuwendung, von Vergebung und Nachsicht; aber auch von Starrsinn, von Schuldverneinungen, von Hitlertreue und zuweilen von gegenseitigem Hass der Delinquenten. Pfarrer Gerecke, aus dessen Aufzeichnungen weite Teile des Buches bestehen, blieb entschieden bei seinem seelsorgerlichen Auftrag und seinem Verständnis, das Evangelium der Liebe und Vergebung jenseits weltlicher Urteile zu predigen. Er hielt jeden Abend eine Andacht in der Gefängniskapelle und notierte: "Es war erfreulich, das Wirken des Heiligen Geistes an einigen Männern zu sehen." Es bleibt für uns Nachgeborene trotz allem eine schwere und kaum zu verstehende Lektüre. Dabei schildert der Autor nach einer intensiven Recherche das gesamte Umfeld des Pastors, seinen Werdegang und alle Umstände, die ihn nach Nürnberg führten; er bezieht Prozessakten ein, Zeitzeugen sowie juristische und psychiatrische Gutachten. Vielleicht hilft ein Wort eines der Opfer der Shoa, einen Zugang zu diesem ungewöhnlichen Buch zu fi nden. Jehuda Bacon, ein jüdischer Künstler, erlebte als 14-Jähriger das KZ Auschwitz. Er schreibt in seinen Memoiren: "In jedem Menschen ist ein göttlicher Funke und dieser Funke ist unzerstörbar. Das gilt auch für SS-Verbrecher." Und dann erzählt er von einem SS-Mann, der zehn Jungen hat antreten lassen, um mit ihnen eine Salami zu teilen und sie dann fortzuschicken. "Die SS kann mich zu Asche machen, kann mich vernichten. Aber diesen Funken können sie nicht zerstören."
    Thomas Maess | www.evangelische-zeitung.de
Zusatzinformationen
  • Format: Buch - Gebunden
  • ISBN: 978-3-7751-5634-9
  • ISBN 10: 3775156348
  • Auflage: 1. Auflage, 17.08.2016
  • Seitenzahl: 400 S.
  • Maße: 14 x 21.5 x 2.5 cm
  • Gewicht: 601g

  • Vorwort von Günther Beckstein Bayrischer Ministerpräsident A.D., mit Schutzumschlag, inkl. 16-seitigem Bildteil

Extras

Hochauflösendes Cover
3.
Leseprobe

Bewertungen

  • 5/5 Sterne

    Phantastisches Buch!

    von
    Für jemand, der sich für das Christentum und für unsere Geschichte interessiert, ist es total interessant.
    Toll, wie großartig Pastor Gerecke während der Nürnberger Prozesse als Seelsorger der Nazigrößen gewirkt hat und selbst bei den größten Sündern einige zurück zu Gott geführt hat. Auch sehr genau und sehr glaubwürdig.
  • 4/5 Sterne

    Vergebt denen, die euch Böses tun

    von
    Der amerikanische Militärseelsorger Henry Gerecke begleitet führende Nazigrößen seelsorgerisch während der Nürnberger Gerichtstage zwischen 1945 und 1946.
    Dieses Sachbuch schildert das Leben dieses Henry Gereckes von 1918 bis 1946. Dabei erfährt der Leser einiges über Gereckes Vorgeschichte und die Geschehnisse des zweiten Weltkrieges aus amerikanischer Sicht.
    Dabei springt der Autor häufig in der Zeitebene hin und her, so das man beim Lesen sehr aufpassen muß den Faden nicht zu verlieren. Außerdem kommt es sehr oft zu einer Art Aufzählung von historischen Fakten und persönlichen Erlebnissen , die sich Schlag auf Schlag aneinanderreihen, so das das Lesen oft sehr anstrengend ist. Erst in der Mitte des Buches gelangt man zu den Nürnberger Prozessen, die ja eigentlich das zentrale Thema dieses Buches darstellen.
    Von der sachlichen Seite her liefert das Buch eine Unmenge an Informationen, die sicherlich zum Verständnis des Prozessverlaufes wichtig sind, aber für den Leser nicht immer gut lesbar aufbereitet werden.
    Auch kommt mir persönlich der Konflikt der Vergebung viel zu kurz.
    Einige der Nazigrößen nähern sich scheinbar durch Gereckes Bemühungen dem christlichen Glauben wieder an und nehmen vor ihrer Verurteilung das Abendmahl entgegen.
    Der Mensch kann ihnen ihre Taten nicht verzeihen, Gott schon. Hat Gerecke ihnen verziehen? Das kommt bei mir nicht so ganz rüber.
    Es ist natürlich interessant die persönliche und emotionale Seite der führenden Naziköpfe kennenzulernen. Aber geben sie wirklich ein wahres Bild ihrer eigenen Meinung wieder?
    Manche lügen ganz bewusst während des Prozesses, warum sollten sie Gerecke die Wahrheit sagen? Aber Gott können sie ja schließlich nicht belügen und sich selber auch nicht.
    Das Buch ist durch die große Informationsmenge ersteinmal erschlagend, durch die Gräueltaten der Nazis bedrückend und fürchterlich, aber durch die Berichterstattung Gereckes auch sehr gefühlvoll und menschlich.
    Der Punktabzug kommt in erster LInie durch den Schreibstil, der mir persönlich zu sprunghaft und aufzählend ist.
    Am Ende hatte ich mehr zum Konflikt der Vergebung erwartet, so das das Buch nicht meinen Erwartungen entsprochen hat. Der persönliche Vorgeschichte Gereckes wird zuviel Raum gegeben, der am Ende besser für ein finales Wort Gereckes verwendet worden wäre.
  • 5/5 Sterne

    Letzte Begegnungen unter dem Galgen (Tim Townsend) - Seelsorge bei den Nürnberger Prozessen

    von
    Zum Inhalt
    Der Autor nimmt die Begegnungen und Begleitungen der hochrangigen Nazi-Verbrecher beim Nürnberger Prozeß durch den amerikanischen Militärseelsorgers Henry Gerecke in den Blick.

    Doch warum wurden diese Verbrecher, die so menschenverachtende Vernichtungsmaschinerien in Gang setzten überhaupt seelsorgerlich begleitet? Auch das hat der Autor recherchiert:
    S. 14 " Aufgrund der Genfer Konvention haben Kriegsgefangene Anspruch auf seelsorgerliche Begleitung. Oberst Andrus, Kommandant des Nürnberger Gefängnisses, legte großen Wert darauf, für diesen Dienst zu sorgen. Während die Nationalsozialisten ihren Gegnern (fast) jegliche geistliche Begleitung auf dem letzten Weg verweigerten, war es für die Amerkikaner keine Frage, dafür Seelsorger bereitzustellen."

    Wichtig ist dem Autor aber auch die Motivation Gereckes zu beleuchten indem er von dessen Herkunft und bisherigem Berufsweg erzählt.

    Neben Gerecke gab es auch noch einen katholischen Seelsorger. Und auch Andrus, der Gefängnisleiter, wird in den Blick genommen.

    Gerecke und sein Kollege O Connor begleiten die Nazis während der Gefangenschaft bis zur Urteilsverkündung. Es gibt 11 Todesurteile, 7 Gefängnisstrafen und einige Freisprüche. Sie begleiten die Nazis mit Todesurteil dann auch bis an den Galgen und deren Familien teilweise auch darüber hinaus.

    Ganz wichtiger Aspekt: Gerecke will beide Seiten kennenlernen: das was die Nazis ihm erzählen, aber auch das was das Gericht ihnen vorwirft und an Beweisen vorlegt. Dass er deshalb neben den regelmäßigen Besuchen bei den Gefangenen auch im Gericht sitzt, das finde ich großartig. Und er findet Zugang zu einigen von ihnen, kann sie zu Andacht und Bibelarbeit bringen

    Dabei werden die Begleitumstände des Prozesses, bspw. die monatelange Dauer und die damit verbundenen organisatorischen Herausforderungen ebenso nahegebracht wie die Lebensumstände im Nachkriegsdeutschland. Die Greueltaten werden teilweise sehr detailliert beschrieben. Die Funktionen der Nazis und die Entscheidungsstrukturen erläutert. Und auch von den Familien der Nazis wird erzählt - von ihrer Herkunkft biografisch aber auch von dem Umgang ihrer Frauen und Kinder mit dem Prozeß.

    Im Zusammenhang mit den Hinrichtungen sind einige Ausführungen zu Vergebung und Versöhnung, hergeleitet aus dem Judentum und Christentum, eingefügt worden.

    Das Buch endet schließlich mit dem weiteren Lebensweg Gereckes nach dem Prozeß bis zu seinem eigenen Tod.

    Persönlicher Eindruck
    Gereckes Motivation und Einschätzung der Nazi-Größen, der Wandel der dargestellt wird, die Nähe des Erzählens - das alles macht das Buch aus meiner Sicht zu einem sehr wichtigen Instrument, die Nazi-Verbrechen nicht zu vergessen - und daneben auch einen Bogen zu spannen zu dem "Mensch hinter dem Verbrecher".
    S. 25 "Dies war der eigentliche Grund, warum Gerecke den Auftrag in Nürnberg angenommen hatte. Hier waren Männer, die dem christlichen Glauben den Rücken gekehrt hatten in dem Wahn, dass am von den Nazis gereinigten deutschen Wesen die Welt genesen würde. Sie hatten den in den Zehn Geboten formulierten Bund mit Gott gebrochen, und Gerecke glaubte, dass es seine Pflicht als Pastor und Seelsorger war, diesen Seelen Erlösung zu bringen und so viele dieser Nazi-Größen, wie er konnte, vor ihrer Hinrichtung zum Glauben zu bringen."
    Ein steiles Argument, das mich als Leserin herausfordert - Gedanken, die auch Gerecke hatte, nämlich ob es wirklich Vergebung für solche Greueltaten gibt, ob Menschen durch ihr Tun den Anspruch auf Vergebung verlieren können, ob und wie man nach solchen Taten wirklich aufrichtig zum Glauben und einem Christsein zurück kehren kann.

    Ob die Nazis wirklich reumütig zum Glauben zurückkehrten oder Gerecke etwas vorspielten, das kann der Leser nicht einschätzen. Gerecke prüft die Gläubigkeit aus seiner Sicht sehr akribisch bevor er das Abendmahl mit demjeinigen feiert.

    Die Beschreibungen sind detailliert und nachvollziehbar. Teilweise fühlte ich mich in die Zeit zurück versetzt.
    Aber manchmal springt die Erzählung zu sehr, was (so vermute ich) wohl daran liegt, dass der Autor die Erzählungen wiedererzählt: ihm wurde alles von Gereckes Kindern und Enkeln erzählt.

    Die Durchführung der Erhängungen - mit den wohl absichtlich herbei geführten Gesichtsverletzungen bei den Nazis durch das Aufschlagen an den Fall-Luken. Einerseits kann ich ein wenig verstehen, dass dem einen oder anderen der "normale" Erhängungstod nicht qualvoll genug erschien für diese Männer - andererseits frage ich mich, womit Menschen solche Quälerei verdient haben. Ich bin da ehrlich etwas zwiegespalten. Die Männer habe ich nicht so sehr bedauert um das Urteil - wohl aber um die Durchführung der Erhängung, die eben absichtlich brutal durchgeführt wurde.

    Wertvoll fand ich die Ausführungenn zu Vergebung und Versöhnung, hergeleitet aus dem Judentum und Christentum.

    Das Cover und Aufmachung
    Hochwertiges Hardcover mit Schutzumschlag ohne Lesebändchen.
    Die Gestaltung ist sachlich, trist - und das ist absolut passend zum Thema des Buches.
  • 4/5 Sterne

    Haben diese Mörder Gottes Gnade verdient?

    von
    Tim Townsend recherchiert in einem der schwersten Zeiten die es in Deutschland gegeben hat. Die Nazizeit, die Ermordung von Millionen von Juden und Menschen, die daraus resultierenden Verhaftungen und Verurteilen sind die Konsequenz. Das Hauptaugenmerk dieses Buches gilt dem Nürnberger Prozess und dem Seelsorger Henry Gerecke. Gerecke ein amerikanischer Militärgeistlicher der sich mit den größten Verbrechern unserer Menschheit beschäftigte. Er betreute sie seelsorgerisch vor ihrem Urteil bis zu ihrer Hinrichtung.
    Dieses Buch nimmt uns aber mit diese Täter aus einer ganz anderen Sichtweise zu sehen. Heißt es nicht im Vater unser: "Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern." Aber wie soll man Menschen vergeben, die den Befehl gaben Millionen Menschen zu vergasen, vergiften, zu erschießen? Was für uns Menschen unvorstellbar ist, das ist für Gott ganz einfach. Den die Bibel sagt: "Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben." Matt.6:14
    oder "So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden getilgt werden." Apg.3:19. Dietrich Bonhoeffer selbst von den Nazis getötet, sagte mal: "Wie überwinden wir das Böse? Indem wir es vergeben ohne Ende. Wie geschieht das? Indem wir den Feind sehen als den, der er in Wahrheit ist, als den, für den Christus starb, den Christus liebt." Gerecke schafft es, trotzdem er die Gräuel in Dachau gesehen hat, mit diesen Verbrechern zu reden und zu beten, meine Hochachtung für diesen Seelsorger.
    Fazit:
    Für mich mag es auch unvorstellbar sein das man diese Täter später im Paradies wiedersehen soll, aber Glaube heißt Vergebung und wenn Gott ihnen vergeben kann dann müssen das wir Menschen auch. Tim Townsend hat hier ein Buch geschrieben, das sich wirklich zu lesen lohnt. Lediglich der etwas ausgedehnte Biografie Henry Gereckes am Anfang des Buches, war mit definitiv zu viel. Ich hätte mir gewünscht, das er diesen Teil etwas kürzer gefasst hätte. Ab und zu hatte ich auch das Gefühl, das er den roten Faden verliert, aber ansonsten ein Buch das ich bisher so noch nicht gelesen habe. Für mich eines der besten Bücher die aufzeigt was Vergebung heißen kann. Aufgeteilt in 10 Kapitel mit einem Vorwort von Günther Beckstein und den Bilddokumenten in der Mitte des Buches. Vielleicht kann dieses Buch ein bisschen mehr Versöhnung an die Nationen weitergeben, den das ist auch heute noch wichtig und notwendig. Von mir 4 von 5 Sterne für diese Buch.
  • 5/5 Sterne

    Kann man Massenmördern vergeben?

    von
    Dieses Buch ist ein besonderes. Es ist keine leichte Kost, man braucht gute Nerven. Zugegeben, zum Holocaust, zur Judenverfolgung und auch zu den Nürnbergern Prozessen gibt es bereits viel Literatur. Doch oft ist diese Berichterstattung einseitig und die Täter werden durchweg verurteilt. Doch dieses Buch ist einfach anders, denn es beleuchtet die menschliche Seite der Massenmörder. Der amerikanische Militärseelsorger und Pastor Henry Gerecke begegnet den Hauptkriegsverbrechern auf einer menschlichen Ebene ohne sie selbst zu verurteilen. Er weiß um die Schuld dieser Männer, doch er begegnet ihnen mit der Liebe Jesu und versucht diese auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Bis zuletzt ringt er um ihre Seelen.

    Beim Lesen dieses Buches durchläuft man viele Emotionen. Man ist entsetzt über die Taten der hohen Nazimänner, deren Ausmaß man sicher nur erahnen kann, weil sie nur angerissen werden. Doch man hat auch Mitleid mit den Männern, die in den letzten Tagen ihres Lebens entweder daran festhalten, dass alles richtig war, was sie getan haben oder die sehr wohl wissen, dass es falsch war was sie taten. Die meisten der Männer wissen ja, dass es für sie nur die Todesstrafe geben kann. Auch über die Frauen und Kinder erfährt man einiges. Was wird mit ihnen, wenn ihre Männer nicht mehr sind? Natürlich kommen wir auch Henry Gerecke etwas näher und erfahren, was er vor dieser Arbeit getan hat und wie seine Familie darauf reagiert, als er diesen Job annimmt.

    Zugegeben, der Autor schweift so manches mal ab und man muss erstmal überlegen, wo er jetzt hinwill. Auch gibt es immer erst mal ein paar biografische Daten, wenn eine neue Person auftaucht. Dennoch hat mich das Buch sehr berührt und mich zum nachdenken gebracht. Auch wenn man die Taten der Nazis verabscheut und verurteilt, waren es doch auch Menschen, die sich von einer Ideologie haben mitreißen lassen. Etwas, was jedem passieren kann. Die größte Frage, die schon einige Theologen beschäftigt hat ist: kann man Massenmördern, die Millionen Menschen auf dem Gewissen haben, Vergebung zusprechen und damit umgesehen, dass sie sich Gott zuwenden? Dass Gott jede Sünde vergibt ist ja bekannt, doch wir als Menschen begreifen das nicht, können das mit unserem Verstand nicht fassen. In gewisser Weise ist es auch ungerecht – kann das ein guter Gott sein, der so viele Morde vergibt? Am Ende muss man das für sich selbst beantworten. Das Buch fordert dazu heraus, sich selbst darüber Gedanken zu machen. Ein wirklich wichtiges Buch, dass so manche Meinung gerade rücken kann.
  • 5/5 Sterne

    Vielschichtig und fesselnd

    von
    „Wann sollte er je die Sünde hassen, aber den Sünder lieben wie noch nie zuvor, wenn nicht jetzt?“

    In diesem Buch nimmt der Autor Tim Townsend uns auf eine Reise in die Vergangenheit mit. Er lässt einen evangelischen Militärseelsorger aus den Vereinigten Staaten zu Wort kommen, welcher nach Ende des zweiten Weltkrieges für das seelische Heil der gefangenen Nazi-Größen, darunter unter anderem Hermann Göring, verantwortlich war.
    Die Nürnberger Prozesse, darunter besonders der Hauptkriegsverbrecherprozess 1946/47, sind wohl den meisten Lesern ein Begriff. Auch einige der zugehörigen Fakten wurden in bereits sehr vielfältig vorhandener Literatur zu diesem Thema zur Genüge durchleuchtet. Vorgeschichte, Ablauf, Bedingungen, beteiligte Personen und Ausgang des Ganzen sind hinreichend bekannt. Aber auch all diese Dinge werden hier nochmal präzise zusammengefasst, mit interessanten Hintergründen versehen und um viele Details erweitert. Viele Ausschnitte aus Originaldokumenten untermauern diese Fakten. Allein in dieser Hinsicht war die Lektüre sehr lehrreich.
    Dazu bekamen die Nazi-Kriegsverbrecher für mich zum ersten mal ein menschliches Gesicht. Denn Henry Gerecke, besagter Seelsorger, nahm seine Aufgabe sehr ernst und bemühte sich, die vor ihm stehenden Verbrecher mit den Augen Gottes zu sehen. So lernen wir als Leser anhand seiner Schilderungen die Schicksale jedes einzelnen kennen und können eine teilweise erstaunliche Verwandlung beobachten. Während des gesamten Prozesses begleitet er die Gefangenen. Wenn der Tod am Galgen unausweichlich scheint, dann besinnt sich der eine oder andere wieder zurück auf das, was wirklich zählt, und bereut was er getan hat.
    Auch die persönlichen Hintergründe von Gerecke werden beleuchtet, sodass der Leser besser verstehen kann, was ihn in die Lage versetzt hat, diese Aufgabe anzunehmen.

    Dem Autor ist hier gelungen, was wohl gerade bei diesem Thema ganz und gar nicht einfach ist: eine vorurteilsfreie Schilderung unter Berücksichtigung vieler unterschiedlicher Facetten, obwohl es um grauenhafte Verbrechen gegen die Menschlichkeit ging. Dabei kann und will er nicht die Taten jener Männer verstehen, sondern sie trotz allem als Menschen und Kinder Gottes anerkennen, denen trotz allem vergeben werden kann. Auch Henry Gerecke bemüht sich von Anfang an darum, diesen Blickwinkel einzunehmen und leistet eine aus meiner Sicht unglaubliche Arbeit, die allerhöchsten Respekt verdient hat. Zwischendurch erfolgen immer wieder theologische Ausflüge, wenn es beispielsweise um Vergebung geht, ein wichtiges und hochinteressantes Thema.

    Hierbei handelt es sich um ein wirklich großartiges Buch, das Aufmerksamkeit verdient. Tim Townsend scheut sich nicht, schwierige Themen anzusprechen und unbequeme Aspekte ans Licht zu zerren, die vielleicht unsere eingefahrene Sicht um eine sehr menschliche Dimension erweitern. Ich kann nur sagen: Lest dieses Buch!!!
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