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von Anja (Veröffentlicht am 19.03.2026)
Mit Vorsicht zu genießen
+ Interessante Grundannahme, dass das Herz in der westlichen Theologie thematisch vernachlässigt wird
+ Es wird deutlich, dass es sich vielleicht wirklich mal lohnt, sich mit dem Thema „Herz“ auseinanderzusetzen
- Autor betont ständig, seine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema, aber die wenigen genannten Quellen sind höchst unwissenschaftlich
- Autor arbeitet wissenschaftlich und theologisch unsauber
- Häufig unsaubere Argumentationsketten
- Theologisch (nach meiner Meinung) an vielen Stellen sehr schwierig bis hin zu falsch
- Fokus das Handeln des Menschen, nicht auf das Handeln Jesu
Es folgen oben genannte Punkte in ausführlich:
Arbeitsweise
Leider entbehrt dieses Buch jeglicher wissenschaftlicher, journalistischer oder theologischer Arbeitsweisen. Das störte mich weniger, würde der Autor nicht in mindestens jedem zweiten Kapitel betonen, wie intensiv, er sich doch mit wissenschaftlichen Quellen auseinandergesetzt habe. Wissenschaftlich oder journalistisch sauber arbeiten bedeutet verschiedene (!) Quellen zu benennen und sich kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen.
Der Autor nennt kaum Quellen und betont stets, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse, seine Behauptungen bestätigen würden. Die wenigen genannten Quellen beziehen sich alle auf Erkenntnisse desselben „berühmten“ Instituts (als ob Bekanntheitsgrad ein Qualitätsmerkmal wäre). Diese Quelle ist eben nicht wissenschaftlich bestätigt. Es handelt sich bei diesem Institut und bei den Autoren (deren Namen und Berufe eleganterweise ausgelassen werden) teilweise um Hypnosetherapeuten, selbsternannte Wissenschaftler und ETF-Praktizierende (ETF = Emotional Freedom Techniques), die von Wissenschaftlern wegen unsauberer Studien-Methoden abgelehnt werden. (Mag sein, dass die Wissenschaft in 50 Jahren auf die gleichen Ergebnisse kommen wird, aber wissenschaftlich bewiesen ist bei den genannten Quellen gar nichts. Zu erwähnen ist außerdem, dass dieses selbsternannte „Institut“ Konferenzen für Anwender ihrer Ergebnisse im Wert von fast Tausend Euro anbietet – nur für die Aufzeichnung.) Man spricht hier von Pseudowissenschaft!
Eine wissenschaftliche oder journalistische Herangehensweise an ein Thema würde erfordern, dass man auch Kritiken an den genannten Thesen nennt, um dann zu begründen, warum man sie selbst dennoch für richtig hält. Das passiert hier nirgends.
An einer Stelle wird sogar nur die Zusammenfassung eines Artikels zitiert. Noch nicht mal Ausschnitte des Artikels selbst. Wurde er gelesen? Man weiß es nicht. An anderer Stelle wird ein Buch zitiert, in dem Wissenschaftler angeblich bewiesen hätten, dass der Körper selbst Krebs heilen könne. Nachprüfen kann man das aber nicht, weil weder der Autor noch das Buch genannt werden. Gibt es sie wirklich? Nicht nachprüfbar! An vielen weiteren Stellen werden einfach Dinge behauptet, die die Wissenschaft entdeckt haben will, ohne Quellen zu nennen. Wenn die genauso wissenschaftlich arbeiten, wie der Autor, dann weiß man ja, was man davon halten muss.
Außerdem werden viele Bibelstellen völlig ohne Kontext zitiert, was es dem Leser unmöglich macht, diese einzuordnen und zu verstehen, es sei denn, er nimmt die Bibel zur Hand und schlägt alle selbst nach (was ich jedem Leser empfehlen würde!). Theologisch sauberes arbeiten schließt immer die Frage nach dem Kontext einer Bibelstelle mit ein. Die Bibel kann ohne ihren Kontext nicht ausgelegt oder verstanden werden. Wer sagt/schreibt was an wen und warum! Diese Fragen werden an fast keiner Stelle beantwortet. Das erschwert ein Folgen der Argumentation des Autors. Er nimmt dem Leser dadurch die Möglichkeit einer Prüfung ohne erheblichen Mehraufwand zu betreiben, was wohl viele Leser verständlicherweise nicht machen würden.
Generell sind Argumentationsketten unsauber. Hier ein paar Beispiele:
Manche persönliche Glaubenserfahrungen werden als absolute Wahrheit für alle Christen interpretiert. So beschreibt der Autor, wie sein Herz von dem Leid brasilianischer Kinder so berührt wurde, dass er nur noch weinen konnte. Den Rat, dieses Leid nicht so nah an sich heranzulassen, lehnte er ab, weil er (von Gott geführt) sein Herz nicht verhärten wollte – stattdessen gründete er dort Waisenhäuser. Großartig! Daraus aber zu deuten, dass wir alle unser Herz immer für alles Leid der Welt öffnen sollen, um nicht uns selbst zu verhärten und das nicht als seine persönliche Berufungsgeschichte durch Gott zu sehen, ist inhaltlich schwierig.
Der Autor betont, dass viele Menschen nach einer Herztransplantation charakterliche Veränderungen durchmachen oder über Erinnerungen des Spenders verfügen. Ja, solche Geschichten gibt es nachweislich viele. Aber sie begrenzen sich (auch wenn es dort verstärkt auftritt) nicht auf Herztransplantationen. Das als Nachweis nutzen zu wollen, dass (nur) das Herz ein Gedächtnis habe, wenn es ähnliche Geschichten nach verschiedensten transplantierten Organen gibt, ist nicht schlüssig. (Ärzte vermuten ein Zellgedächtnis, kein Organgedächtnis – aber es gibt noch keine handfesten wissenschaftlichen Erkenntnisse hierzu.)
Viele Überzeugungen stammen aus der zum Einstieg genannten unsauberen „wissenschaftlichen“ Quelle und sind daher kritisch zu sehen. Phänomene, dass Herzen miteinander „kommunizieren“ oder wir anderen Menschen „ins Herz schauen“, erleben viele Christen. Aber ob diese wirklich an dem elektromagnetischen Feld unseres Herzens liegen … ? Möglicherweise könnte das auch ein Wirken des heiligen Geistes sein, der in uns wohnt? Ich weiß nicht, woher sie kommen, bin aber dankbar für diese Erfahrungen und weiß nicht, ob das Not tut, ihre Herkunft zu verstehen.
An manchen Stellen wird die Macht der Gedanken anektdotisch unter Beweis gestellt, was völlig legitim ist. Aber warum das beweisen soll, dass diese Gedanken im Herzen ihren Ursprung haben und das Ganze mit Alphawellen zu tun haben will …?
Da die „wissenschaftlichen“ Grundannahmen nicht wissenschaftlich bestätigt sind, muss man leider die darauf aufbauende Argumentation im Gesamten in Frage stellen.
Theologisches:
Das ganze Buch liest sich mit einer Atmosphäre von: Ich habe als einziger Gott richtig verstanden. Kapitel 1 steigt direkt mit den Worten ein: „Ich glaube, das Herz wurde im Laufe der Jahrhunderte von fast allen Menschen falsch verstanden.“ Ähnliche Statements gibt es an mehreren Stellen. Wie gut, dass uns Unwissende nun endlich mal jemand über das Wort Gottes aufklärt ... Sarkasmus beiseite: Solche Selbsteinschätzungen muten mir persönlich immer sektiererisch an, da werde ich sofort skeptisch. Das Wort, das in dem Buch vermutlich am häufigsten vorkommt ist „ich“, Gott und Jesus spielen da recht wenig eine Rolle.
Vieles erinnert an die „Germanische Neue Medizin“ oder „Positive Thinking“ und „Manifestieren“ nur eben auf christlich. Der Autor vertritt offensichtlich die Meinung, dass Christen zu wenig oder falsch glauben, wenn sie keine Heilung erleben. Das ist eine verbreitete theologische Meinung, die ich persönlich für unwahr und regelrecht gefährlich halte. Der Autor schreibt: „Viele Menschen für die ich um Heilung gebetet habe, glaubten einfach die Lüge der Ärzte, dass sie unheilbar krank seien ...“ Meine persönliche Meinung zu dem Thema: Ja, Gedanken haben großen Einfluss auf unser Handeln und unser Wohlbefinden. Ich habe keinen Zweifel, dass Gott heilen kann und gerne heilt und das auch heute tut. Aber er tut es nicht immer (während wir leben) und das ist eine Spannung mit der wir in der Welt leben müssen. Mit „du musst nur Glauben haben“-Aussagen wird uns Christen die Glaubensleistung aufgezwungen, die zur Heilung führt. Es entsteht Druck und Leid über das Maß der eigentlichen Krankheit hinaus. Und starb Jesus nicht für uns, weil wir Menschen eben nicht dazu in der Lage sind, uns selbst zu retten? Selbst Paulus schreibt im zweiten Korintherbrief Kapitel 12 von einem Leiden (ob psychisch, seelisch, körperlich wissen wir nicht), das Gott trotz seiner Bitten nicht heilte. Timotheus hatte wohl häufig Magenbeschwerden (1. Tim. 5,23) und Trophimus wird auf einer Missionsreise krank zurückgelassen (2. Tim 4,20). Hatten nun Trophimus, Timotheus und der Apostel Paulus, der weite Teile des neuen Testaments verfasst hat, zu wenig Glaube?
Der Autor behandelt in dem ganzen Buch nur Bibelstellen, die sich auf den Menschen fokussieren. Er besteht darauf, dass wir Menschen Verantwortung für unsere Gedanken übernehmen sollen, da die Art und Weise, wie wir über Dinge denken auch ändert, wie wir sie wahrnehmen. Ich stimme absolut zu. Wir müssen Verantwortung für unsere Gedanken übernehmen. Lebenslügen können uns beispielsweise viel Freude und Segen rauben. Sündiges Verhalten entstammt häufig unseren Gedanken. Was der Autor aber völlig außer Acht lässt ist das Wirken Gottes oder Jesu in dem Prozess. „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und erneuere in meinem Innern einen festen Geist.“ (Psalm 51,10) „Und ich will euch ein neues reines Herz geben und einen neuen Geist in euch legen. Ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“ (Hesekiel 36,26) Diese Bibelstellen besagen, dass Gott es ist, der unser Herz verändert – nicht wir selbst. Ein Prinzip, das in dem Buch nicht erwähnt wird. (Im Gegenteil: Der Autor besteht darauf, dass diese Verantwortung alleine beim Menschen läge.)
Im Gesamten kann ich aus den genannten Gründen das Buch nicht weiterempfehlen und würde zum vorsichtigen Genuss raten. -
von Georg (Veröffentlicht am 14.09.2025)
Bestes Buch über das Herz
Hätte nie gedacht wieviel in einem Herz stecken kann. Man liest das Buch und merkt, dass der Autor seit über 40 Jahren das Herz lebt und studiert.
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